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  • AutorenbildRoman von Alvensleben

Berichte in der "DeWeZet" vom 14. Februar 2024

"Hamelner Anwalt verteidigt mutmaßlichen Kopf einer terroristischen Vereinigung"


Wieder einmal ein schöner Arikel der Hamelner Tageszeitung DeWeZet. Danke an Ulrich Behmann für den umfangreichen und ordentlich geschriebenen Bericht.

Der Arikel kann auf der Webseite der DeWezt HIER eingesehen werden oder folgend nachgelesen werden.


Hameln. Herr von Alvensleben, wie kommt ein Rechtsanwalt aus Hameln zu einem solchen Mandat?

Ich bin seit 23 Jahren als Strafverteidiger tätig und vertrete mittlerweile auch bundesweit strafrechtliche Mandate. Das könnte der Grund sein, weshalb Prinz Reuß, wie er mir sagte, auf mich aufmerksam geworden ist. Letztlich hat mich mein Anwaltskollege Thomas Tschammer gefragt, ob wir das Mandat gemeinsam übernehmen wollen. Übrigens: In der Geschichte gab es schon einmal eine ähnliche Konstellation, in dem ein Prinz Reuß von einem Herrn von Alvensleben vertreten wurde. Das war am Zarenhof in Sankt Petersburg, als Prinz Reuß dort Gesandter, also so etwas wie ein Botschafter, war und von einem Herrn von Alvensleben dort vertreten wurde. Das habe ich aber auch erst nachträglich recherchiert, weil ich mir die Frage gestellt habe, ob sich die Familien schon einmal begegnet sind.

Sie kannten Heinrich XIII. Prinz Reuß also vorher nicht und hatten keine Mandanten aus der sogenannten Reichsbürgerszene, die Sie empfohlen haben?

Nein, absolut nicht. Ich lasse mich da politisch überhaupt nicht verorten. Als Strafverteidiger sieht man den Tatvorwurf und eine mögliche Verteidigungsstrategie. Politisch habe ich da keine Aktien. Ich denke aber auch, dass mein Mandant nicht so einfach in die Schublade eines Reichsbürgers gesteckt werden kann. Die Anklage umfasst etwa 650 Seiten. Wir sind gerade in konzentrierter Vorbereitung auf das Verfahren. Ich kann nur sagen: Manchmal ist etwas anders, als es auf den ersten Blick erscheint. Dazu gehört sicher auch Desinformation unter den Angeschuldigten untereinander. Ich selber habe mit Reichsbürgern nichts zu tun. Ich stehe selbst fest zu unserer freiheitlich demokratischen und rechtsstaatlichen Grundordnung.

Wie oft haben Sie Ihren Mandanten Reuß schon in der Untersuchungshaft besucht?

Ich denke, ich habe ihn in der Haftanstalt in Frankfurt bis jetzt etwa zehnmal besucht. Es ist ein sehr aufwendiges Verfahren mit zirka 450.000 Seiten Akteninhalt und einer Vielzahl von Angeschuldigten. Das erfordert eine gute Vorbereitung und Reflexion des Inhaltes mit dem Mandanten. Eine effektive Verteidigung verlangt auch eine gute Vorbereitung.

Was ist das für ein Mensch? Wie benimmt er sich gegenüber seinem Verteidiger?

Ich erlebe einen eloquenten und gebildeten, aber auch sehr höflichen Menschen, der durch die Haft gezeichnet ist und die ihm gesundheitlich emotional und seelisch zusetzt.

Die deutschen Sicherheitsbehörden bezeichnen Heinrich XIII. Prinz Reuß als mutmaßlichen Rädelsführer, also als Kopf der Clique. Mittlerweise ist sogar von der Gruppe Reuß die Rede. War er wirklich so ahnungslos, wie Sie uns glauben machen wollen?

Ich denke der Fall muss hinsichtlich der Kenntnis aber auch der Vorstellungsbilder jedes Angeklagten sehr differenziert betrachtet werden. Das wird meines Erachtens die Aufgabe der Verteidigung sein, genau das herauszuarbeiten. Ich halte meinen Mandanten nicht für gefährlich und nicht für eine Gefahr für den Bestand der Bundesrepublik Deutschland. Ich denke, dass auch Unwissenheit eine Rolle spielen wird.

Ihrem Mandanten Heinrich XIII. Prinz Reuß wird nach Angaben aus Ermittlerkreisen folgender Satz aus einem Brief zugeschrieben. „Es wird für die Zeit der bevorstehenden Wende eine Übergangsregierung benötigt. Diese steht.“ Das klingt nicht danach, dass hier jemand keine Ahnung davon hatte, was geplant ist…

Auch hier muss ich auf das Verfahren und eine mögliche Einlassung meines Mandanten zur Sache verweisen. Das ist jetzt zu kompliziert, im Detail darauf einzugehen. Wenn der Satz so gefallen sein sollte, dann bleibt immer noch die Frage, von wem der Umsturz ausgehen sollte und ob dabei selbst Gewalt veranlasst oder ausgeübt werden sollte. Es ist ja schon öffentlich aus dem Inhalt der Anklage bekanntgemacht worden, dass das Märchen von einer – ich zitiere – militärisch und technisch übermächtigen Erdallianz, die zur Befreiung von Kindern, die angeblich in unterirdischen Tunnelsystemen gefangen gehalten werden, zumindest von Teilen der Beschuldigten geglaubt worden sein soll. Die Mär ging so weit, dass man der irrigen Annahme gewesen sein soll, dass es Regierungen gibt, die so etwas unterstützen. Wenn man diesem Irrglauben aufgesessen wäre, geht auf jeden Fall die angenommene Gewalt unbeeinflusst von einem selbst aus. Und wenn es aber keine Erdallianz gibt, ist das ganze einfach nur irrwitzig, vielleicht nicht einmal strafbar. Die individuellen Vorstellungsbilder, der an drei Gerichtsstandorten angeklagten Damen und Herren, sind für die Beurteilung und die jeweilige strafrechtliche Relevanz und die Beurteilung von Schuld entscheidend.

Dann hat Ihr Mandant also keinen gewaltsamen Umsturz geplant und ist auch kein mutmaßlicher Putschist?

Dazu sage ich als sein Verteidiger ganz klar: Nein! Nochmals: Es ist eine umfassende Anklage - und sicher haben die Ermittlungen Fakten zutage gebracht, die nicht schön zu lesen sind. Aber von unserem Mandanten persönlich ging keine Gefahr für den Bestand der Bundesrepublik Deutschland aus.

Laut Anklage des Generalbundesanwalts wollte der militärische Arm der sogenannten Gruppe Reuß allein im Großraum Hannover neun sogenannte Heimatschutzkompanien errichten. Diese Verbände sollten nach einem Umsturz die sogenannte neue Ordnung sichern helfen. Ermittler glauben, dass ein gewisser Frank H., pensionierter SEK-Polizist aus Springe, als Kompaniechef für die Sektion „Barsinghausen/Gehrden“ vorgesehen war. Überhaupt fällt auf, dass in der Gruppe der Verdächtigen mehrere ehemalige Polizisten und Militärs eine Rolle gespielt haben sollen. Auch eine Kriminalbeamtin mit dem Namen Yvonne G. aus dem Kreis Minden-Lübbecke befindet sich unter den Angeklagten. Mit diesen Angeklagten soll Ihr Mandant in Kontakt gestanden haben. Sind die Ermittlungsergebnisse unwahr?

Tatsächlich liest sich das so in den Akten. Ich will nicht behaupten, dass Ergebnisse der Ermittlungen unwahr sind. Die Frage ist nur, wer hatte tatsächlich welche Informationen. Ich frage mich also, wer über solche Planungen tatsächlich auch Informationen im Detail erhalten hat. Bei den sogenannten Zivilisten der Gruppe, zu denen nach meiner festen Überzeugung auch Prinz Reuß gehörte, lag vielfältig keine Kenntnis von dem vor, was andere Angeklagte mit militärischem Hintergrund geplant hatten. Aber auch hier wäre eine detaillierte Antwort sicherlich dem Verfahren vorgreiflich. Da bitte ich um Verständnis.

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